RUSSLAND TOURApril / Mai 2000 
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Victor Smolski hatte seine alten Kontakte genutzt und uns diese erste RAGE Rußland Tour besorgt. Da wir dort noch keinen Hallenstatus besitzen, entschieden wir uns zu einer Co-Headliner-Tour mit den "Russischen Iron Maiden", der Band Aria. Diese Lösung ermöglichte es uns allen durch dieses riesige Land zu ziehen und in großen Eissporthallen zu spielen. Das ganze war von vornherein ein Abenteuer, so wünschte uns auch jedermann bereits viel Glück bevor es losging.
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19.04.00 - 1. TOURTAG - TOURSTART - D
Morgens in aller frühe Abreise von Düsseldorf nach Moskau. Soweit kein Problem, wenn uns die Lufthansa wegen unseres Übergepäcks nicht Ärger machen würde. Da wir lediglich drei Musiker und vier Crew Mitglieder sind, aber kein Tourleiter dabei ist , der sich im Normalfall solcher Probleme annehmen würde, und auch unsere Travelagentur sich nur unzureichend gekümmert hat, wird es doch ganz schön knapp bis wir letztendlich im Flieger sitzen. Einige Leute unserer Agentur müssen dafür aber auf ihren morgendlichen Schönheitsschlaf verzichten. In Moskau angekommen geht's erstmal im Berufsverkehr quer durch die Stadt zu einer Bar, wo zu einer Pressekonferenz geladen ist. Die heimischen Pressevertreter sind denn auch höchst erfreut, daß wir tatsächlich gekommen sind, da doch zu oft in der Vergangenheit plötzliche Absagen das Vertrauen in westliche Bands geschwächt hat. Nach einer Stärkung (russisches Bier ist aber lecker) geht's weiter mit dem Zug Richtung Wolgograd (welches früher Stalingrad hieß und immer noch gerade in Germany als berüchtigter Kriegsschauplatz bekannt ist). Doch bis dahin ist es noch weit und wir richten uns auf eine 24 stündige Zugfahrt ein. Wir haben zwar Schlafwagen, die gesamten Waggons sind aber aus der DDR der siebziger Jahre, daß Schienennetz ist marode, was zu einem etwas dürftigen Komfort führt. Wir stellen fest, daß das gesamte Land ziemlich verkommen und verarmt ist sobald man Moskau verläßt. Also prosten wir uns zu und harren der weiteren Geschehnissen. |
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20.04.00 - 2. TOURTAG - WOLGOGRAD - RUS
Als wir völlig durch den Wind in Wolgograd angekommen, müssen wir uns ersteinmal auf eine Zwangspause einstellen. Mit uns ist ein Soldatentransport fürs Tschetschenische Kriegsgebiet angekommen (welches von hieraus nicht mehr weit ist). In dem Zug sind einige Soldaten getötet und verwundet worden (angeblich bei Schlägereien - wenn man sich diese Killermeute anschaut glaubt mans auch). Dieses zieht ausgiebige Untersuchungen der Polizei nach sich und hindert uns daran, unser Gepäck auszuladen. Uns bleibt daraufhin nicht mehr viel Zeit für die Konzertvorbereitungen. Wir benutzen neben unseren eigenen Sachen Mietequipment, welches erstmal zusammengebaut werden muß. Für einen richtigen Soundcheck bleibt keine Zeit. Ein riesiges Polizeiaufgebot bewacht die Bühne, als kurz darauf 3.500 durchgedrehte Fans die Sporthalle stürmen. Die Reaktion auf unsere Show sind frenetisch und wir werden nach Strich und Faden abgefeiert. Allerdings sind wir noch nicht so richtig warm und betrachten diese Show als Einstand. Auch Aria gehen gut ab. Diese Band ist seit 15 Jahren im russischen Raum aktiv und gehört dort zu den ganz großen. Die Jungs entpuppen sich im übrigen als super Kollegen, die wirklich ihr letztes Hemd mit uns teilen. Da beide Bands ihr 15 jähriges Jubiläum feiern wissen wir jetzt schon, daß wir viel Spaß zusammen haben werden. Weiter geht die Reise mit dem Bus nach Saratov.
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21.04.00 - 3. TOURTAG - SARATOV - RUS
Was jetzt kommt hat bisher keiner von uns erlebt und wird es auch hoffentlich nie wieder!!! Wir fahren also auf dieser entsetzlichen Straße mit Schlaglöchern wie Bombentrichter nicht weit entfernt von der Kasachstanischen Grenze im absoluten Niemandsland, Stunden entfernt von der nächsten Siedlung, als gegen 5 Uhr morgens, wir alle schlafen, ein kasachischer Kleinlaster mit 2 Mann Besatzung frontal in unseren Bus kracht. Vermutlich fiel der Fahrer in einen Sekundenschlaf, jedenfalls konnten wir nicht mehr ausweichen. Unser Busfahrer schafft es trotz schwerster Schädelverletzungen noch, unseren Bus in den Graben zu steuern, ohne das dieser umkippt, was mit Sicherheit unser aller Leben und Gesundheit gerettet hat. Als wir Minuten später den Weg ins Freie geschafft haben, offenbart sich im Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden Busses ein Bild des Grauens. Außer unserem Fahrer (welcher bei Bewußtsein ist und mit dem anderen Bus sofort weggefahren wird) sind unser Drumroadie Ulsch Weitz, der auch eine Schädelverletzung hat, unsere Tourbegleiterin Tatjana (welche aus diversen Schnittverletzungen blutet) und der Fahrer des Kleinlasters verletzt. Letzterer hat den ganzen Körper zerschmettert und ist nicht transportfähig. Er liegt auf der Sraße und stirbt. Ich lege ihn in meinen Notschlafsack, damit er nicht erfriert, denn es ist Nacht und es bläst ein eisiger Wind. Vier Stunden müssen er und die anderen Verletzten warten bis Hilfe kommt. Bis wir alle Formalitäten erledigt haben und mit einem Ersatzbus weiterfahren können ist es Nachmittag. Wir kommen erst um acht Uhr Abends in Saratov an der Eissporthalle an. Nachdem wir erst die Tour abbrechen wollten entschließen wir uns angesichts von 3 Tausend wartenden Fans doch noch ein kurzes Set zu spielen. Unsere Shows werden bejubelt, aber uns sitzt noch gehörig der Schock in den Knochen. |
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22.04.00 - 4. TOURTAG - DAY OFF
Den Tag verbringen wir im Hotel mit schlafen, Ulsch wird nochmal in einem richtigen Krankenhaus untersucht. Ihm geht's schlecht, für ihn ist die Tour vorbei. Er muß uns aber noch bis Samara begleiten, denn erst dort ist der nächste Flughafen. Wir alle danken den Göttern, daß wir so viel Glück im Unglück hatten und feiern unseren zweiten Geburtstag. Gegen abend geht die Riese weiter mit dem Zug. |

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23.04.00 - 5. TOURTAG - DAY OFF
Samara, unser nächster Zwischenstop. Ulsch verläßt uns Richtung Heimat, wo er erstmal den Chirurgen übergeben wird. Die medizinische Versorgung an unserem Aufenthaltsort unterhalb des Urals ist ziemlich bescheiden, so ergaben die Röntgenuntersuchungen auch nicht das wahre Bild von Ulschs komplizierter Schädelverletzung. Hätten wir geahnt wie riskant sein Transport gewesen ist, wäre uns der Arsch noch mehr auf Grundeis gegangen. Ulsch hat auf jedenfall riesen Glück gehabt, daß er noch unter uns weilt. Wir anderen fahren weiter mit dem nächsten Zug Richtung Magnitogorsk.
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24.04.00 - 6. TOURTAG - MAGNITOGORSK - RUS
Magnitogorsk - Eine Arbeiter- und Industriestadt im südlichen Ural. Das heißt, alles ist mit einer dicken Staub und Rußschicht bedeckt, das Atmen fällt schwer. Alles ist kaputt und verdreckt, die Straßen, soweit vorhanden, sehen aus wie eine Panzerpiste, überall brennende Mülltonnen, voll das Endzeitszenario. Unser Hotel ist ein völlig verkommener Plattenbau mit Nachkriegseinrichtung. Am meisten gefällt, besonders Mike, das Telefon ohne Wählscheibe. Aber was soll's wir sind mitten drin im Abenteuer und wundern uns nicht mehr. Mike muß jetzt sein Drum selbst aufbauen auch wenn alle versuchen ihm nach Kräften zu helfen. Das Konzert ist auf jedenfall wieder Super. Wir spielen unser Best Off Set aus alten RAGE Klassikern wie "Don't Fear The Winter", "Solitary Man", "Sent By The Devil", "Firestorm", u.a., und neueren Songs der letzten beiden Alben wie "From The Cradle To The Grave", "Days Of December", Back In Time", "Wash My Sins Away", etc.. Auch die integrierten Solos von Mike und Victor sind jeden Abend ein Volltreffer, der die Fans begeistert zurückläßt. Mike ist höchst erfreut, als er erfährt, daß einer seiner Lieblingseishockeyspieler beim ansässigen Team von Magnitogorsk in dieser Halle spielte, bevor er von seinem Heimatverein in den Staaten eingekauft wurde. Nach Besichtigung des Vereinspokalmuseums decken wir uns mit Trikots ein.
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25.04.00 - 7. TOURTAG - CHELABINSK - RUS
Mit dem Bus fahren wir vormittags bis Chelabinsk. Wieder eine Show in der Eissporthalle des örtlichen Vereins. Die Stadt ist voller Poster, wie überall übrigens wo wir spielen. TCI, der russische Tourveranstalter, hat gute Arbeit geleistet. Wir haben in unserer spärlichen Freizeit ständig Interviews in Radio- und Fernsehstationen gegeben. Von so guter Promotion kann man anderswo nur träumen. Wir werden immer besser auf der Bühne, sind jetzt so richtig warm. Diverse Wodkapartys fordern ihren Tribut (hierzulande ist der Wodka das was für uns das Bier ist), und so sinken wir völlig erschöpft in die Kissen an diesem Abend.
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26.04.00 - 8. TOURTAG - YEKATERINBURG - RUS
Wieder weiter mit dem Bus nach Yekaterinburg, der Hauptstadt des Urals. Der Flair dieser Stadt erinnert an Berlin und steht im krassen Gegensatz zu den völlig verkommenen, verarmten Industriestädten. Das Hotel ist auch super und modern und so sind wir in bester Laune. Das Wetter verwöhnt uns auch wieder, wie schon seit dem ersten Tag unserer Reise und so spielen wir an diesem Abend einer unserer besten Shows überhaupt. Die russische Crew, welche uns nach Kräften auf dieser Tour unterstützt, ist (wie auch das Publikum) begeistert, was uns zu regelrechten Wodkaexzessen nötigt, schließlich will jeder bei der darauffolgenden Party mit uns anstoßen, das geht so weiter bis zum Ende der nachfolgenden Zugfahrt zurück in Rußlands Westen, nach Nishni Novgorod. Darüber vergeht auch der Donnerstag (27.04.00). |

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28.04.00 - 10. TOURTAG - NISHNI NOVGOROD - RUS
Nishni Novgorod. Eigentlich läuft alles einen routinierten Ablauf, als wir gerade nach dem Soundcheck erfahren, daß die Polizei die morgige Show in Moskau abgesagt hat. Am selben Tag findet ein großes Fußballspiel statt und alle verfügbaren Polizeieinheiten sind belegt. Da man in Rußland aber kein Konzert ohne eine Armee von Sicherheitskräften machen darf, haben die Behörden uns einen Strich durch die Rechnung gemacht obwohl wir vorher eine Zusage hatten. Etwas enttäuscht spielen wir vor etwa 4 Tausend begeisterten Fans, welche uns nach ein paar Minuten auch wieder gut draufbringen. Es wird beschlossen, die Moskaushow auf den folgenden Mittwoch zu verlegen, da diese bereits ausverkauft ist (5.000 Tickets). In Windeseile wird die Promotionmaschine wieder angeworfen, um die Fans zu informieren. |
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29.04. - 02.05.00 - 11.-14. TOURTAG - DAY OFF
Dieser Umstand ermöglicht uns einen viertägigen bezahlten Moskauurlaub, den wir natürlich ausgiebig nutzen zum Sightseeing, Kremlbesuch, Fotosessions, Interviews und natürlich endlosen Partys. Wir sind mittlerweile Alkoholfest wie seit langem nicht mehr. Moskau ist eine außergewöhnliche, faszinierende 20 Mil. Stadt, in der man unzählige bauliche, kulturelle und Kunsthistorische Schätze bewundern kann. Der Kreml allein, mit seinen unzähligen Kirchen und Kuppeln, seinen von Schätzen überquellenden Museen ist ein Weltwunder. Das wir als westlicher Rabaukenhaufen frei über den "Roten Platz" marschieren - wer hätte das gedacht. Vor allem Mike, im Amerika der siebziger Jahre aufgewachsen und immer noch voll der Parolen des Kalten Krieges kann es ein ums andere Mal nicht fassen ("wenn das meine Mutter hört, die glaubt es nicht"). Allerdings sollte man nicht so einfach ohne russische Begleitung losziehen, wie Lichtmann Holger und Gitarrentech Thomas merken, als sie von der Polizei in bester Plündermanier um 500 Rubel erleichtert werden, angeblich weil sie betrunken waren. Wir werden jedoch von Begleitern unserer russischen Agentur gut behütet. |

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